Chapter

Kapitel 1. Überblick

Author(s):
International Monetary Fund
Published Date:
October 2007
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Während des Geschäftsjahres vom 1. Mai 2006 bis zum 30. April 2007 legte das Exekutivdirektorium den Schwerpunkt darauf, die Geschäftspolitik und -tätigkeit des Fonds besser an die sich ändernden Bedürfnisse der Mitgliedsländer im IWF anzupassen. Die Zahl der Mitglieder stieg im Januar 2007 auf 185 an, als Montenegro dem Fonds beitrat. Viele IWF-Mitglieder erlebten ein weiteres Jahr mit starkem Wirtschaftswachstum und günstigen Marktbedingungen, das wirtschaftliche und finanzielle Umfeld war jedoch nicht ohne Risiko. Die großen globalen Ungleichgewichte hielten an, die Konjunktur in den Vereinigten Staaten kühlte sich ab, die Preise für Öl und Nicht-Energie-Rohstoffe blieben hoch und die Investoren zeigten nach wie vor großes Interesse an riskanten Vermögenswerten.

Der IWF erzielte beträchtliche Fortschritte bei der Umsetzung der Ziele, die in der vom Geschäftsführenden Direktor im Geschäftsjahr 2006 eingeleiteten mittelfristigen Strategie (Kasten 1.1) festgelegt wurden. Da die Kapitalströme in die aufstrebenden Marktwirtschaften in den letzten Jahren auf Rekordniveau gestiegen sind und die Nachfrage nach IWF-Krediten dementsprechend zurückgegangen ist, konzentriert sich der IWF verstärkt auf Überwachung,1 Politikberatung und technische Hilfe. Mit der multilateralen Konsultation entwickelte er im Laufe des Geschäftsjahres 2007 ein neues Überwachungsinstrument, das den Mitgliedern helfen soll, das Problem der globalen Ungleichgewichte anzugehen. Der IWF leitete außerdem eine Überprüfung seines Überwachungs-Regelwerks ein und unternahm Schritte, um die Finanzsektorarbeit besser in die Überwachungstätigkeit zu integrieren. Er will dadurch den Mitgliedern helfen, die mit den globalisierten Finanzmärkten zusammenhängenden Risiken zu bewältigen und die sich daraus ergebenden Vorteile zu nutzen.

Angesichts des zunehmenden wirtschaftlichen Gewichts einiger IWF-Mitglieder leitete das Exekutivdirektorium Reformen in Bezug auf die Kapitalanteile und Führungs- und Kontrollstrukturen ein, um eine faire Quotenverteilung und angemessene Vertretung aller Mitglieder zu gewährleisten. Das Direktorium unternahm außerdem Schritte, um die Verwaltungsführung des Fonds zu verbessern, die Effizienz der Geschäftstätigkeit des Fonds zu erhöhen und ein neues Einkommensmodell zu entwickeln, das stärker mit den Aufgaben in Einklang steht, die die Institution heute ausübt.

Wichtige Wirtschafts- und Finanzentwicklungen

Das Wachstum der Weltwirtschaft beschleunigte sich 2006 auf 5,4 Prozent, gegenüber 4,9 Prozent im Jahr 2005. Dies war das vierte Jahr in Folge, das von einer starken globalen Expansion gekennzeichnet war (Schaubild 1.1). Das Wachstum gestaltete sich außerdem ausgewogener, da die Konjunkturabschwächung in den Vereinigten Staaten durch eine Wachstumsbeschleunigung in anderen Regionen ausgeglichen wurde. Ein günstiges internationales Finanzumfeld und, in vielen Fällen, hohe Rohstoffpreise stützten das besonders starke Wachstum der aufstrebenden Länder. Die Inflation ging in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften in der zweiten Hälfte des Jahres 2006 zurück, da die Ölpreise nach ihrem Spitzenwert im August wieder fielen.

Schaubild 1.1Reales BIP-Wachstum

(Prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr)

Die Leistungsbilanz-Ungleichgewichte blieben groß (Schaubild 1.2). Das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten stabilisierte sich 2006 auf 6½ Prozent des BIP, wobei gegen Ende des Jahres ein beträchtlicher Rückgang festzustellen war.

Schaubild 1.2Saldo der Leistungsbilanz

(Prozent des Welt-BIP)

Die Überschüsse der Öl exportierenden Länder sowie der ostasiatischen Länder stiegen weiterhin, während die Defizite in Westeuropa, in den aufstrebenden Ländern Europas2 sowie in den schnell wachsenden Volkswirtschaften wie Indien zunahmen.

Das Wachstum in den Vereinigten Staaten verlangsamte sich beträchtlich und ging von einer Jahresrate von 2½ Prozent in der zweiten Hälfte von 2006 auf 0,6 Prozent im ersten Quartal von 2007 zurück. Dies war vor allem auf einen Rückgang bei den Nettoexporten, den Lagerbeständen und den Investitionen in den Wohnungsbau zurückzuführen. Das Exportwachstum blieb zwar kräftig, das schnellere Importwachstum machte jedoch einige Verbesserungen, die in der Handelsbilanz nach dem August 2006 erzielt wurden, zunichte. Mehr als die Hälfte des Importwachstums war auf steigende Öleinfuhren zurückzuführen. Die Unternehmensinvestitionen gingen ebenfalls zurück. Der private Verbrauch blieb jedoch solide und wurde durch stetiges Beschäftigungswachstum und steigende Aktienkurse gestützt.

Die Konjunktur im Euroraum verbesserte sich im gleichen Zeitraum. Das BIP-Wachstum, das durch hohe Investitionen und Nettoexporte angetrieben wurde, erreichte im ersten Quartal von 2007 eine saisonal bereinigte Jahresrate von 2½ Prozent und war damit fast doppelt so hoch wie die Rate von 2005, und die höchste Rate seit 2000. Die Verbraucherausgaben dagegen gingen beträchtlich zurück, was teilweise auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland zurückzuführen war.

Japans Wirtschaftswachstum erlitt Mitte 2006 eine Konjunkturdelle, die hauptsächlich in einem unerwarteten Konsumeinbruch begründet lag; das Wachstum beschleunigte sich jedoch im vierten Quartal 2006 wieder, weil die Inlandsnachfrage an Dynamik gewann. Die Konjunktur trübte sich Anfang 2007 zwar etwas ein, aber das Wachstum blieb über dem Potentialwachstum.

Die Konjunktur in den aufstrebenden Ländern Asiens blieb sehr lebhaft und wurde angetrieben durch starkes Wachstum in China und Indien. In China belief sich das reale BIP-Wachstum 2006 auf 10,7 Prozent. Die Anlageinvestitionen gingen in der zweiten Hälfte von 2006 zurück, stiegen Anfang 2007 aber wieder. Indiens Wachstum, das 2006 9,7 Prozent erreichte, wurde durch starken Konsum und vor allem durch hohe Investitionen getragen. In den kürzlich industrialisierten Volkswirtschaften (Korea, Taiwan [Provinz Chinas], SVR Hongkong und Singapur) wurde die Konjunktur durch eine robuste Auslandsnachfrage gestützt, die sich insbesondere auf dem Elektroniksektor bemerkbar machte. In den Volkswirtschaften der ASEAN-4-Länder (Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Thailand) nahm das BIP-Wachstum ebenfalls zu.

Kasten 1.1Fortschritte bei der Umsetzung der mittelfristigen Strategie

ZielMaßnahmen
ÜberwachungModernisierung des RegelwerksÜberprüfung der Entscheidung von 1977 zur Überwachung der Wechselkurspolitik und Arbeit an einem „Mandat” (Erklärung über die Prioritäten der Überwachung)
Multilaterale Perspektive und Stärkung der Finanzsektor-ÜberwachungErste multilaterale Konsultation, Ausweitung der regionalen Überwachung, genauere Analyse länderübergreifender Übertragungswirkungen, stärkere Erfassung des Finanzsektors, Bericht einer Arbeitsgruppe zur Integration der Finanzsektorarbeit in die Überwachung
Genauere und fokussiertere LänderüberwachungÜberwachungsagendas, versuchsweiser Einsatz von gestrafften Konsultationen
Aufstrebende Märkte und KrisenpräventionVertiefung der Finanzsektor- und Kapitalmarkt-ÜberwachungEntwicklung eines Regelwerks für Finanzsektorfragen in der Länderüberwachung
Angemessenheitsüberprüfung der bestehenden Instrumente zur KrisenpräventionDirektoriumsaussprachen und Informationsarbeit in Bezug auf ein neues vorbeugendes Finanzierungsinstrument für Liquiditätsprobleme im Rahmen des Krisenpräventions-Instrumentariums
Länder mit niedrigem EinkommenBeitrag zu den Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft zur Unterstützung der einkommensschwachen Länder bei der Verwirklichung der Millennium-EntwicklungszielePolitikberatung, konzessionäre Kredite, Entschuldung und technische Hilfe, um den einkommensschwachen Ländern zu helfen, makroökonomische Stabilität zu sichern und das Wachstum zu beschleunigen, Überprüfung der Fortschritte in Bezug auf die Millennium-Entwicklungsziele mit der Weltbank (Globaler Monitoring-Bericht)
Vertiefung der Arbeit in Bezug auf die Nutzung der HilfeströmePolitikberatung in Bezug auf den effektiven Einsatz der erhöhten Entwicklungshilfe, Aufarbeitung der Empfehlungen im IEO-Bericht zur IWF-Beratung und Tätigkeit in Bezug auf Hilfeströme nach Afrika südlich der Sahara
Unterstützung der Länder, die eine Entschuldung erhalten haben, um neue untragbare Schulden zu vermeidenVerbesserung des Regelwerks für Schuldentragfähigkeit und mehr Informationsarbeit, technische Hilfe für staatliches Schuldenmanagement und Verbesserung des Statistikwesens
Aufbau der KapazitätenStärkung des Kapazitätsaufbaus in den Entwicklungsländern, bessere Integration der technischen Hilfe und Ausbildung in die Überwachung gemäß LänderprioritätenUmsetzung der mittelfristigen Strategie für den Kapazitätsaufbau, Integration der Länderbedürfnisse und der Mittel für die technische Hilfe in das Haushaltsverfahren des IWF, enge Zusammenarbeit mit Geberpartnern zur effektiven Nutzung der internen Mittel für Kapazitätsaufbau, Ausweitung der regionalen technischen Hilfe und Ausbildung, unter anderem durch die Eröffnung des dritten regionalen Zentrums für technische Hilfe in Afrika (das Sechste weltweit) und eines neuen regionalen Ausbildungszentrums in Indien (das Siebte weltweit)
Reform von Quoten und MitspracheStärkung der Effektivität und Legitimität des IWF durch Fortschritte bei der Reform von Quoten und MitspracherechtenAd-hoc-Quotenerhöhungen für vier eindeutig unterrepräsentierte Länder (China, Korea, Mexiko und die Türkei), Prüfung von Grundsätzen für eine neue Quotenformel, Erörterung des rechtlichen Rahmens für die Erhöhung der Grundstimmen, mehr Personal für die Exekutivdirektoren, die von einer großen Zahl von Mitgliedern gewählt werden
Verwaltungs- und GeschäftsführungStärkung von Kommunikation und TransparenzBeginn einer Prüfung der Kommunikationsstrategie, Veröffentlichung eines zweiten Jahresberichts zur Transparenz
Der IWF soll kostengünstiger und effizienter werdenPrüfung der Empfehlungen im Bericht des externen Ausschusses über die Zusammenarbeit zwischen Weltbank und IWF, mittelfristige Umsetzung eines ergebnisorientierten Haushaltsrahmens mit realen Einsparungen, verbessertes Risikomanagement, Straffung von Verfahren
Schaffung einer nachhaltigen Grundlage für die Finanzen des IWFBericht des Ausschusses angesehener Persönlichkeiten über das Einkommensmodell des IWF

Das Wachstum in Lateinamerika beschleunigte sich 2006 auf 5,5 Prozent, während es 2005 bei 4,6 Prozent lag. Dadurch erhöht sich die durchschnittliche Wachstumsrate der letzten drei Jahre auf 5¼ Prozent, die beste Leistung seit Ende der 70er Jahre. In Brasilien und Mexiko legte das Wachstum zu, blieb jedoch unter dem regionalen Durchschnitt. Die zunehmende konjunkturelle Belebung machte die Binnennachfrage in Lateinamerika zur Hauptantriebskraft für das Wachstum. Die Nettoexporte wirkten sich negativ auf die konjunkturelle Entwicklung aus, was teilweise auf die Wachstumsschwäche in den Vereinigten Staaten, dem größten Handelspartner der Region, zurückzuführen war. Allerdings profitierten die Rohstoffexportländer weiterhin von steigenden Weltrohstoffpreisen.

In den aufstrebenden Ländern Europas beschleunigte sich das Wachstum 2006 auf sechs Prozent. Die Binnennachfrage stieg, da der Verbrauch durch Beschäftigungszuwachs und höhere Reallöhne gefördert wurde. Die Leistungsbilanzdefizite weiteten sich aus, wurden in den meisten Fällen jedoch ohne Schwierigkeiten durch Bankzuflüsse und ausländische Direktinvestitionen finanziert. Sorgen über die großen Leistungsbilanzdefizite in Ungarn und der Türkei führten jedoch zu einem Abwärtsdruck auf die Wechselkurse dieser beiden Länder, woraufhin die Geld- und Fiskalpolitik verschärft wurde. Die Konjunktur zeigte sich in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der Gruppe aus zwölf ehemaligen Sowjetrepubliken, ebenfalls sehr lebhaft, was auf hohe Preise für Öl und Nicht-Öl-Rohstoffe zurückzuführen war.

Die Öl exportierenden Länder des Nahen Ostens konnten 2006 wiederum ein Jahr soliden Wachstums verzeichnen. Dies ging einher mit einem positiven Saldo der Leistungsbilanz und der öffentlichen Haushalte. Die Öleinnahmen stiegen weiterhin rasant, die starke Dynamik des Nicht-Öl-Sektors hielt an und die Regierungen planten hohe Ausgaben im Sozialbereich und Investitionen in den Öl- und Nicht-Öl-Sektor.

Das Wachstum in Afrika südlich der Sahara ließ 2006 etwas nach, blieb aber robust. Es wurde zunehmend von Inlandsinvestitionen, Produktivitätssteigerungen und, in geringerem Ausmaß, von öffentlichem Konsum angetrieben. In vielen Ländern wurden die öffentlichen Ausgaben durch höhere Öleinnahmen und Schuldenerleichterungen gestützt. Die Inflation blieb in den meisten Ländern verhalten, was auf umsichtige makroökonomische Politikmaßnahmen und eine weitere gute Ernte zurückzuführen war.

Die Ölpreise blieben hoch und schwankend. Nach einem Rekordpreis von 76 $ pro Barrel im August 2006 ging die durchschnittliche Kassanotierung für Erdöl in den folgenden Monaten zurück. Dies war auf eine Kombination aus verschiedenen Faktoren zurückzuführen: ein Nachfrageschwund in den Industrieländern, eine Erholung im Angebot der Länder außerhalb der OPEC sowie ein leichter Rückgang der geopolitischen Spannungen. Die in der OPEC nach November eingeführten Produktionskürzungen und eine Wiederbelebung der Nachfrage im ersten Quartal von 2007 führten jedoch zu einem erneuten Preisanstieg. Neu aufflammende geopolitische Spannungen im Nahen Osten drückten die Preise im März und April 2007 wieder nach oben, bis sie Ende April 65 $ pro Barrel erreichten. Die Preise für Nicht-Energie-Rohstoffe, die von Metallen angeführt wurden, sowie die Preise einiger Agrarrohstoffe, vor allem Mais, stiegen in der zweiten Jahreshälfte von 2006 und in den ersten vier Monaten von 2007 ebenfalls stark an, was teilweise durch die zu erwartende steigende Nachfrage nach Biotreibstoffen bedingt war.

Die von den IWF-Mitgliedern verfolgte Geldpolitik spiegelte die jeweilige Position der Länder im Konjunkturzyklus wider. Die Zentralbank der USA hielt den Tagesgeldsatz von Juni 2006 an unverändert, da die Risikoeinschätzung zwischen Konjunkturabkühlung einerseits und Inflation andererseits ausgewogen war. Da die Inflation in Japan bei etwa null verharrte, erhöhte die Zentralbank von Japan ihren Leitzins in zwei Schritten von jeweils einem Viertel Prozentpunkt auf 0,5 Prozent, nachdem sie im Juli 2006 ihre Nullzinspolitik aufgegeben hatte. Im Gegensatz dazu verschärften die Europäische Zentralbank und die nationalen europäischen Zentralbanken beständig ihre Geldpolitik. Einige aufstrebende Länder, insbesondere China, Indien und die Türkei, verschärften ebenfalls die Geldpolitik. China und die Türkei taten dies wegen der Gefahr einer Überhitzung der Konjunktur und Indien aus Sorge über den Inflationsdruck. Die Türkei reagierte außerdem auf außenwirtschaftlichen Druck. In der Fiskalpolitik erzielten die Industrieländer einige Fortschritte bei der Reduzierung der strukturellen Defizite, was zum großen Teil auf ungewöhnlich hohe Einnahmensteigerungen zurückzuführen ist. Angesichts ihrer alternden Bevölkerung müssen diese Länder allerdings weitere beträchtliche Anpassungen vornehmen, um die Nachhaltigkeit der öffentlichen Haushalte zu sichern.

Auf den Devisenmärkten führte die Wachstumsschwäche in den Vereinigten Staaten zu einer Abschwächung des US-Dollar. Von Mai 2006 bis Ende April 2007 wertete der Dollar um 8,4 Prozent gegenüber dem Euro und um 9,5 Prozent gegenüber dem britischen Pfund ab. Der Yen wertete ebenfalls weiter ab, da niedrige Zinssätze Kapitalabflüsse weiterhin begünstigten. Der reale effektive Wechselkurs des Renminbi wertete trotz einer leichten Beschleunigung der nominalen Aufwertung gegenüber dem US-Dollar und eines weiteren Anstiegs von Chinas Leistungsbilanzüberschuss auf 9½ Prozent des BIP im Jahr 2006 etwas ab. Insgesamt herrschten an den Währungsmärkten weiterhin geordnete Bedingungen und die Volatilität blieb niedrig.

Die Finanzmarktstabilität wurde weiterhin durch günstige Aussichten der Weltwirtschaft gefördert. Trotz einiger Nervosität im Mai/Juni 2006 und im Februar/März 2007 blieb die Marktvolatilität im Allgemeinen niedrig. Der Nervosität Anfang 2007 lag eine Vielzahl von Faktoren zu Grunde, wie etwa die zunehmende Sorge über die Auswirkungen der starken Abkühlung auf dem Häusermarkt der USA auf Wertpapiere, die mit dem Wohnungsbau zusammenhängen sowie die Steigerung der Verzugs- und Ausfallrate bei Hypothekendarlehen, insbesondere bei Kreditnehmern mit niedriger Bonität.

Die Aufschläge auf Unternehmensanleihen blieben niedrig. Starke Unternehmensbilanzen mit ausreichenden Liquiditätspolstern führten zu einer Welle von Zusammenschlüssen und Übernahmen. Diese Entwicklung in Kombination mit höher als erwartet ausgefallenen Unternehmensgewinnen trug dazu bei, dass die Renditen auf den meisten globalen Aktienmärkten im zweistelligen Bereich lagen, wobei Japan eine auffallende Ausnahme darstellte (Schaubild 1.3). Im Laufe des IWF-Geschäftsjahres 2007 stieg der S&P 500 um 13,1 Prozent und der Eurofirst 300 gewann 13,9 Prozent, während der Topix um 0,9 Prozent zurückging.

Schaubild 1.3Entwicklung der Aktienmärkte

(1. Mai 2006 = 100)

Quelle: Bloomberg L.P.

Die Renditespannen sanken in den aufstrebenden Märkten3 auf neue historische Tiefstände (Schaubild 1.4). Der Markt wurde gestärkt durch anhaltende Verbesserungen in der Kreditqualität (wobei Heraufstufungen viel häufiger auftraten als Herabstufungen), den zunehmenden Rückkauf von Staatsschulden (und damit den weiteren Rückgang im Bestand der Brady-Bonds) sowie einen Rückgang in der Emission von Staatsanleihen. Die globalen Investoren erhöhten den Anteil von lokalen Wertpapieren der aufstrebenden Märkte in ihren Portfolios. Die Nettokapitalströme in die Aktienmärkte der Schwellenländer schwankten. Insbesondere bei den Korrekturen von Mai/Juni 2006 und Februar/März 2007 waren starke Kapitalabflüsse zu verzeichnen, wobei die größten Abflüsse in den Märkten festgestellt wurden, in denen vorher die Zuflüsse am stärksten gestiegen waren. Die Aktien der aufstrebenden Märkte erzielten aber dennoch hohe Renditen, wobei der MSCI-Index für Aktien in aufstrebenden Märkten in lokaler Währung gerechnet vom 1. Mai 2006 bis Ende April 2007 um 15,2 Prozent zulegte.

Schaubild 1.4Aufschlag auf Staatsanleihen

(Basispunkte)

Quelle: JPMorgan Chase & Co.

Höhepunkte in der Arbeit des Exekutivdirektoriums

Die anhaltende Beschleunigung der Globalisierung zog sich im Geschäftsjahr 2007 als roter Faden durch die Tätigkeit des IWF. Sie ist die größte Herausforderung, vor der sowohl der IWF als auch seine Mitglieder zu Anfang des 21. Jahrhunderts stehen. Das Exekutivdirektorium war sich dieser Herausforderung bewusst und erzielte beträchtliche Fortschritte bei der Verwirklichung der in der mittelfristigen Strategie des Fonds festgelegten Ziele: Stärkung und Modernisierung der Überwachung, Entwicklung neuer Instrumente zur Unterstützung der aufstrebenden Länder, Vertiefung der Arbeit des Fonds in den einkommensschwachen Ländern, Reform der Führungs- und Kontrollmechanismen und Stärkung der Verwaltungsführung, um den Fonds zu einer effizienteren und effektiveren Institution zu machen, sowie Schaffung einer nachhaltigen finanziellen Grundlage für den IWF.4

Stärkung und Modernisierung der Überwachung

Um den Zielen der IWF-Mitglieder zu dienen, muss die Überwachung fokussiert, offen, transparent, ausgewogen und rechenschaftspflichtig sein und länderübergreifende Übertragungswirkungen angemessen berücksichtigen. Im Geschäftsjahr 2007 unternahm das Exekutivdirektorium Schritte zur Stärkung und Modernisierung des Überwachungs-Regelwerks und begann eine Überprüfung der Entscheidung von 1977 zur Überwachung der Wechselkurspolitik. Dabei geht es um das Regelwerk, das 1977 vom Direktorium verabschiedet wurde und dem IWF Anleitungen gab, um sicherzustellen, dass sich die Überwachung auf die bestmöglichen Praktiken stützt und eine in sich geschlossene Vision von der Kerntätigkeit des IWF enthält. Die Exekutivdirektoren erzielten bei dieser Überprüfung weitgehend Einvernehmen und konzentrierten sich im Berichtszeitraum anschließend darauf, auch in anderen Bereichen einen gemeinsamen Standpunkt zu erreichen. Sie erörterten die Frage, wie die Prioritäten der Überwachung expliziter festgelegt werden können und wie die Methodik zur Beurteilung der Effektivität der Überwachungsarbeit klareren Kriterien unterworfen werden kann.

Die erste multilaterale Konsultation des IWF konzentrierte sich auf den Abbau der globalen Ungleichgewichte bei gleichzeitiger Sicherung eines starken Wachstums der Weltwirtschaft. China, der Euroraum, Japan, Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten nahmen daran teil.

Das Direktorium sprach sich für mehrere Innovationen bei der Umsetzung der Überwachung aus. Dazu gehörte auch die erste multilaterale Konsultation des IWF, anhand derer eine Einigung und eine gemeinsame Vorgehensweise bei der Frage erzielt werden soll, wie die globalen Ungleichgewichte abgebaut werden können, ohne das Wachstum der Weltwirtschaft zu schwächen. Außerdem wurde das Regelwerk für die Überwachung des Finanzsektors und der Kapitalmärkte gestärkt, wobei die Empfehlungen einer internen Arbeitsgruppe für die Integration des Finanzsektors in die Überwachungsarbeit des IWF berücksichtigt wurden. Die Arbeitsgruppe empfahl dem IWF, das Programm zur Bewertung des Finanzsektors (Financial Sector Assessment Program – FSAP), eine gemeinsame Initiative von IWF und Weltbank, die in Kapitel 2 näher beschrieben wird, im Rahmen der Länderüberwachung stärker zu nutzen und den Verbindungen zwischen Finanzsektor und Makroökonomie mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Entsprechend den Vorgaben der mittelfristigen Strategie wurden die Analyseinstrumente des IWF zunehmend eingesetzt, um länderübergreifende Übertragungswirkungen zu erfassen und daraus wirtschaftspolitische Lehren zu ziehen. Die regionale Überwachung wurde erweitert, um die Kenntnisse über die Auswirkungen regionaler Entwicklungen auf die Weltwirtschaft und die nationalen Volkswirtschaften zu vertiefen. Das Direktorium sprach sich für eine Schärfung der Länderüberwachung aus und forderte den Stab auf, sich auf die wichtigsten Risiken, vor denen die Mitglieder stehen, sowie auf Sachfragen zum Kernmandat des IWF zu konzentrieren. Der IWF erprobte außerdem bei einer kleinen Anzahl von Ländern eine Artikel-IV-Konsultation in gestraffter Form.

Hohe Ölpreise stellten die Wirtschaftspolitik vor besondere Herausforderungen und das Direktorium beriet sowohl die Öl exportierenden Länder als auch die Öl importierenden Länder hinsichtlich der zu ergreifenden Politikmaßnahmen. Dabei galt es zu berücksichtigen, dass die steigende Nachfrage, Produktionsengpässe und Angebotsstörungen eine Gefahr für das globale Wachstum darstellen und Inflationsdruck ausüben können. Das Direktorium wies erneut auf die Notwendigkeit hin, die Investitionen in den Ölsektor zu erhöhen, und ermutigte die Mitgliedsländer, die internationalen Ölpreise an die Verbraucher weiterzuleiten, um Verzerrungen im Konsumverhalten zu vermeiden.

Die Direktoriumsaussprachen über den Weltwirtschaftsausblick (World Economic Outlook – WEO) und den Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems (Global Financial Stability Report – GFSR), die Hauptinstrumente des IWF zur globalen Überwachung, und andere mit der Überwachungstätigkeit des IWF zusammenhängende Sachfragen aus dem Geschäftsjahr 2007 werden in Kapitel 2 eingehend erläutert.

Programmunterstützung

Viele aufstrebende Marktwirtschaften haben ihre Politikmaßnahmen gestärkt, sind Schwachstellen angegangen und haben die Schuldenstruktur verbessert. Einige dieser Länder, insbesondere in Asien, haben eine große Menge an Reserven angesammelt und regionale Vereinbarungen über die Zusammenlegung von Reserven erweitert. Die Aussichten der aufstrebenden Marktwirtschaften bleiben positiv und es wird erwartet, dass die Finanzbedingungen günstig bleiben und dass das robuste Wachstum anhält. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die meisten dieser Länder heute ihren Finanzierungsbedarf für das kommende Jahr auf den internationalen Finanzmärkten decken können und dass ihre Nachfrage nach IWF-Krediten drastisch zurückgegangen ist. Die makroökonomischen Eckdaten sind in den aufstrebenden Marktwirtschaften allerdings nach wie vor sehr unterschiedlich und es gibt noch Schwachstellen.

Das Exekutivdirektorium des IWF erörterte im Geschäftsjahr 2007 die Frage, wie die IWF-Unterstützung für die aufstrebenden Marktwirtschaften gestärkt werden kann. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der internationalen Kapitalströme für diese Länder wäre eine Vertiefung der Finanzsektorund Kapitalmarkt-Überwachung für die Krisenpräventions-Maßnahmen dieser Volkswirtschaften von besonderer Bedeutung. Das Direktorium erzielte außerdem Fortschritte bei der Entwicklung eines Instruments, das den aufstrebenden Marktwirtschaften, die einen soliden wirtschaftspolitischen Kurs verfolgen, im Fall eines vorübergehenden Liquiditätsproblems Finanzmittel zur Verfügung stellt. Das Direktorium betonte, dass die Politikmaßnahmen der einzelnen Länder für die Krisenprävention von entscheidender Bedeutung sind, und prüfte in diesem Zusammenhang ein Stabspapier über die Ursachen und Kosten von Schocks und die Politikoptionen, die die Mitglieder am besten vor Krisen schützen.

Das Exekutivdirektorium prüfte außerdem die Frage, wie die Arbeit des IWF mit den einkommensschwachen Ländern in Zusammenarbeit mit der Weltbank vertieft werden kann. Dabei sollte der Schwerpunkt darauf gelegt werden, ihnen bei der Sicherung der makroökonomischen Stabilität und der Wachstumsbeschleunigung zu helfen – Bereiche, in denen der IWF die Länder am besten unterstützen kann, die Armut zu bekämpfen und die Millennium-Entwicklungsziele zu erreichen.

In den letzten Jahren hat der IWF das Spektrum der Finanzmittel und sonstiger Instrumente, die den einkommensschwachen Ländern zur Verfügung stehen, ausgeweitet. Im Geschäftsjahr 2007 legte das Exekutivdirektorium den Schwerpunkt darauf, den Ländern, die im Rahmen der HIPC-Initiative für hoch verschuldete arme Länder und der Multilateralen Entschuldungsinitiative (Multilateral Debt Relief Initiative – MDRI) Schuldenerleichterung erhalten haben, zu helfen, das Entstehen einer neuen untragbaren Verschuldung zu verhindern. Das Direktorium beriet die Länder hinsichtlich des makroökonomischen Rahmens, der es den einkommensschwachen Ländern erlaubt, die Hilfe effektiv einzusetzen. Es erörterte zudem einen Bericht des Unabhängigen Evaluierungsbüros (Independent Evaluation Office – IEO, siehe Kasten 5.3) über die Beratung und die sonstigen erfolgten Maßnahmen des IWF in Bezug auf die Hilfeströme nach Afrika südlich der Sahara (die Ergebnisse des IEO werden in Kapitel 3 erörtert). Da die wirtschaftliche Entwicklung der einkommensschwachen Länder entscheidend vom Handel abhängt, forderte das Exekutivdirektorium die IWF-Mitglieder eindringlich auf, auf einen erfolgreichen Abschluss der Doha-Runde multilateraler Handelsgespräche hinzuwirken. Der IWF bot weiterhin technische Hilfe in Bereichen wie Steuer- und Zollreform, um die einkommensschwachen Länder in die Lage zu versetzen, umfassend von der Handelsliberalisierung zu profitieren. Er stand auch bereit, um Ländern, die durch die Handelsliberalisierung anderer Länder kurzfristig benachteiligt werden, Finanzhilfe zu gewähren.

Eine Tabelle mit ausführlichen Informationen über die Instrumente, durch die der IWF den Mitgliedsländern Finanzhilfe und sonstige Hilfen bietet, findet sich in Kapitel 3 (Tabelle 3.1). Des Weiteren werden dort Informationen über die Kreditvergabe und die sonstige Programmunterstützung des IWF im Geschäftsjahr 2007 aufgeführt.

Kapazitätsaufbau

Mit zunehmender Fokussierung der Länderüberwachung wird die enge Beziehung zwischen Überwachung und Kapazitätsaufbau immer deutlicher. Die durch den IWF bereitgestellte technische Hilfe und Ausbildung kann den Mitgliedsländern helfen, die im Laufe der Überwachung erhaltene Politikberatung umzusetzen. Während des Geschäftsjahres 2007 lag der Schwerpunkt der Arbeit weiterhin darin, die technische Hilfe und Ausbildung enger auf die Prioritäten des IWF und der Empfängerländer auszurichten und sie besser mit den von anderen Gebern bereitgestellten Dienstleistungen zu koordinieren.

In den letzten Jahren hat der IWF das Spektrum der Finanzmittel und sonstiger Instrumente, die den einkommensschwachen Ländern zur Verfügung stehen, ausgeweitet.

Angesichts des hohen Bedarfs an zusätzlichem Kapazitätsaufbau in den Entwicklungsländern wurde in Gabun für die Länder der Region das Zentralafrikanische regionale Zentrum für technische Hilfe (AFRITAC) eröffnet, während in Indien ein neues regionales Ausbildungsprogramm eingerichtet wurde. Das neue AFRITAC – das Dritte in Afrika und das sechste regionale Zentrum für technische Hilfe weltweit – ergänzt die Tätigkeit des AFRITAC für Ostafrika und des AFRITAC für Westafrika. Das Ausbildungszentrum in Indien ist das siebte Zentrum dieser Art weltweit. Die anderen regionalen Ausbildungszentren befinden sich in Afrika, Europa, Lateinamerika, dem Nahen Osten und Ostasien. Der IWF begann in Zusammenarbeit mit der Weltbank die Entwicklung eines Plans zur Stärkung des Kapazitätsaufbaus für den Entwurf von mittelfristigen Schuldenstrategien sowohl in den aufstrebenden als auch den einkommensschwachen Ländern, um ihnen zu helfen, die Entstehung einer erneuten untragbaren Verschuldung zu verhindern.

Die Mittelvergabe für technische Hilfe wurde verbessert durch die Einführung von mittelfristigen regionalen Plänen, die in das Haushaltsverfahren des IWF aufgenommen werden. Das Direktorium begann außerdem mit der Prüfung der Frage, wie der Kapazitätsaufbau angesichts der steigenden Nachfrage am besten finanziert werden kann, unter anderem durch eine höhere externe Finanzierung.

Reform der Kapitalanteile und Mitspracherechte

Wenn der IWF seine Legitimität stärken will, muss er all seine Mitgliedsländer wirklich vertreten, und dies muss von den Mitgliedern auch so gesehen werden. Deshalb leitete das Exekutivdirektorium im Geschäftsjahr 2007 eine weitreichende Reform der Kapitalanteile und Mitspracherechte ein, was ein zentrales Ziel der mittelfristigen Strategie ist. Damit sollen die Quoten der Mitglieder besser mit ihrem wirtschaftlichen Gewicht in der Weltwirtschaft in Einklang gebracht und die Teilnahme und Stimme der einkommensschwachen Länder gestärkt werden.

In seinem Kommunikee vom 22. April 2006 betonte der Internationale Währungs- und Finanzausschuss (International Monetary and Financial Committee – IMFC) die Bedeutung einer Reform der Führungs- und Kontrollmechanismen für die Effektivität und Glaubwürdigkeit des IWF als kooperative Institution. Der Ausschuss rief das Exekutivdirektorium des IWF auf, bis zur Jahrestagung im September 2006 konkrete Vorschläge zu unterbreiten. Als Reaktion auf die Empfehlungen des Exekutivdirektoriums5 verabschiedete der Gouverneursrat am 18. September 2006 eine Entschließung über die Reform der Kapitalanteile und Mitspracherechte, in der den vier am deutlichsten unterrepräsentierten Ländern China, Korea, Mexiko und Türkei eine Ad-hoc-Quotenerhöhung gewährt wurde. Außerdem enthält die Entschließung ein Paket mit grundlegenden Reformen, die soweit möglich bis zur Jahrestagung 2007 und spätestens bis zur Jahrestagung 2008 abgeschlossen werden sollen.6

Nachdem Einvernehmen über die Entschließung erzielt worden war, wurde ein Arbeitsprogramm beschlossen, das Konsultationen mit den Mitgliedern und informelle sowie formelle Direktoriumsaussprachen über verschiedene Elemente des Pakets umfasst. In einer einleitenden Aussprache im Januar 2007 bestätigte das Direktorium allgemein das vom IWF-Stab vorgeschlagene Regelwerk für eine Änderung des IWF-Übereinkommens in Bezug auf eine Erhöhung der Grundstimmen.7 Es erörterte außerdem die Frage einer größeren Personalausstattung für die Exekutivdirektoren, die große Stimmrechtgruppen vertreten, d. h. die zwei Stimmgruppen für die afrikanischen Länder südlich der Sahara (siehe Kapitel 5, Fußnote 58). Das Direktorium führte außerdem zwei informelle Aussprachen über die Grundsätze einer neuen Quotenformel, die die Grundlage einer zweiten Runde von Ad-hoc-Erhöhungen bildet. In seinem Kommunikee vom 14. April 2007 begrüßte der IMFC die bisher erzielten Fortschritte und rief das Exekutivdirektorium auf, seiner Arbeit am Reformpaket weiterhin Priorität einzuräumen.

Kommunikation und Transparenz

Die mittelfristige Strategie betont, dass Kommunikation und Transparenz entscheidend sind, um die Effektivität der Überwachung zu erhöhen und Unterstützung für eine solide Wirtschaftspolitik zu gewinnen. Das Exekutivdirektorium spielt eine Schlüsselrolle in den Kommunikationsbemühungen des Fonds. Es gibt die strategische Richtung vor, überprüft die Kommunikationsstrategie des IWF regelmäßig (die fünfte Überprüfung begann im Geschäftsjahr 2007) und verabschiedet allgemein den Haushalt des IWF, in dem die Mittel für Kommunikations- und Informationsarbeit zugewiesen werden. Während des Geschäftsjahres 2007 legte das Direktorium konkrete Schritte fest, um die Verbindung zwischen der Geschäftstätigkeit des IWF und seiner Kommunikationsarbeit zu stärken und um die Wirkung der Kommunikations- und Informationsarbeit zu erweitern, z. B. indem die wichtigsten IWF-Dokumente schneller in anderen Sprachen als Englisch zur Verfügung gestellt werden. Nähere Einzelheiten dazu finden sich in Kapitel 5. Der Direktoriumsausschuss für den Jahresbericht unternahm Schritte, um die Kommunikationswirkung des Berichts nicht nur für die betroffenen öffentlichen Stellen, sondern auch für die breite Öffentlichkeit zu verbessern.8

Die Exekutivdirektoren spielten eine Führungsrolle bei den Anstrengungen des Fonds zur Erhöhung der Transparenz. Im Geschäftsjahr 2006 forderten sie den Stab auf, jährlich einen aktualisierten Bericht über die Umsetzung der Transparenzpolitik des Fonds zu veröffentlichen. Aus der zweiten jährlichen Aktualisierung, die im Februar 2007 veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die Zahl der Mitglieder, die einer Veröffentlichung aller Berichte über ihre Wirtschaftslage und den Einsatz von Fondsmitteln zustimmen – die Veröffentlichung ist freiwillig –, im Jahr 2006 gegenüber den 136 im Vorjahr auf 142 gestiegen ist und dass der Anteil der veröffentlichten Berichte im dritten Jahr in Folge zugenommen hat.

Verbesserung der Verwaltungsführung

Der IWF ist bestrebt, eine kostengünstigere Institution zu werden, ohne seine Fähigkeit einzuschränken, die in der mittelfristigen Strategie geforderten Leistungen bereitzustellen. Deshalb bemüht sich die gesamte Institution – das Direktorium, die Geschäftsführung und der Stab – um eine Erhöhung der Effizienz.

Wie in Kapitel 5 näher erläutert wird, hat der IWF die Verwaltungsausgaben im Geschäftsjahr 2007 weiter streng begrenzt. Der mittelfristige Haushalt sieht für das Geschäftsjahr 2007 ein reales Nullwachstum vor und für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 sind reale Kürzungen geplant. Es wurden eine Reihe von Initiativen ergriffen, um die Leistungen des IWF effizienter und kostengünstiger zu erbringen; dazu gehören eine erhöhte Auslagerung, die Verlegung einiger Unterstützungs-Dienstleistungen in Niedriglohnländer sowie eine Überprüfung der Reisekosten.

Der IWF unternahm im Laufe des Jahres Schritte zur Stärkung seines Regelwerks zum Risikomanagement. Das Exekutivdirektorium überprüft regelmäßig die Risikomanagement-Grundsätze des IWF und verabschiedete 2006 auf der Grundlage der von einer Arbeitsgruppe vorgelegten Empfehlungen Maßnahmen zur Umsetzung eines umfassenden Risikobeurteilungssystems. Diese Maßnahmen konzentrieren sich auf die vier breit gefassten Kategorien strategischer, mandatsbezogener, finanzieller und operationeller Risiken. Der IWF führte im Geschäftsjahr 2007 seine erste Risikobeurteilung durch. Dabei wurden die Hauptrisiken, vor denen der IWF steht, sowie die bestehenden Gegenmaßnahmen benannt. Die Exekutivdirektoren betonten in ihrer Diskussion ihre Aufsichtsrolle und treuhänderische Verantwortung für das Risikomanagement des IWF.

Das Exekutivdirektorium straffte außerdem die Verfahren des Fonds, verlängerte die Fristen zwischen den meisten grundsatzpolitischen Überprüfungen, konsolidierte einige Berichte und stellte die Produktion einiger anderer Berichte ein. Es prüfte einen Bericht über die Zusammenarbeit zwischen Weltbank und IWF, der von einem externen Prüfungsausschuss im Auftrag der Geschäftsführung von IWF und Weltbank erstellt worden war, und es erörterte Verbesserungsvorschläge für die Zusammenarbeit der beiden Institutionen, um die Politikberatung und den Kapazitätsaufbau des IWF für die Mitgliedsländer effektiver und effizienter zu gestalten (siehe Kapitel 5). Das Direktorium überprüfte außerdem den Bericht des Unabhängigen Evaluierungsbüros (IEO) über den IWF und die Hilfe an Afrika südlich der Sahara und bestätigte eine Reihe von Empfehlungen, die seiner Meinung nach den IWF in die Lage versetzen, seine Geschäftspolitik und -tätigkeit in dieser Region zu verbessern (Kapitel 3).

Überprüfung der Finanzlage des Fonds

Im Mai 2006 ernannte der Geschäftsführende Direktor einen Ausschuss angesehener Persönlichkeiten mit dem Mandat, das Einkommensmodell des IWF zu überprüfen. Der Bericht des Ausschusses, der dem Exekutivdirektorium vorgelegt und im Januar 2007 veröffentlicht wurde, zog die Schlussfolgerung, dass das gegenwärtige Einkommensmodell des IWF, das sich auf Kreditzinsen als Haupteinkommensquelle stützt, angesichts der breit gefächerten Aufgaben und Verantwortlichkeiten des IWF nicht angemessen ist.9 Der Ausschuss empfahl eine Reihe neuer Einnahmemaßnahmen, darunter die Ausweitung der Anlageleitlinien und -tätigkeiten, die Schaffung einer Stiftung durch die Veräußerung eines begrenzten Teils der Goldbestände des IWF sowie die Erhebung von Gebühren für die Dienstleistungen an die Mitgliedsländer. Bei seiner Tagung im April 2007 ließ der IMFC verlauten, dass der Bericht des Ausschusses „eine solide Basis für die weitere Arbeit an der Entwicklung eines neuen Einkommensmodells darstellt.” Die Arbeit des Direktoriums an einem Modell, das auf die breite Zustimmung der IWF-Mitglieder trifft, dauert an.

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